Besprechung

Arbeitskreis Paläontologie Hannover

30, Heft 3 (2002), S. 57-84

Hans Ulrich ERNST & Frank RUDOLPH (2002): Trilobiten weltweit. Die Welt der Dreilapper und ihr Spiegelbild in der Philatelie. (Deutsch und Englisch) – 118 Seiten, 173 Abbildungen überwiegend in Farbe; Hardcover ISBN 3-89937-003-1, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, Preis 32,– Euro.

Ein Paläontologe und ein Philatelist sind eine Symbiose eingegangen, Ergebnis: Ein interessantes Buch. Dr. F. RUDOLPH, Paläontologe und Trilobitenspezialist und Dr. H. U. ERNST, Mediziner und Philatelist, haben eine neue Buchgattung kreiert: das binäre Sachbuch.

Der Titel spricht für sich: Trilobiten waren zu ihren Lebzeiten weltweit verbreitet und thematisch erfaßt sind hier weltweit alle Briefmarkenausgaben mit diesem Motiv.

Das Buch richtet sich sowohl an philatelistisch Interessierte (Motivmarkensammler) als auch an den Fossiliensammler, besonders natürlich den, der sich speziell mit Trilobiten beschäftigt. Dazu ist es in zwei Sprachen verfaßt: Das muß ein Erfolgsrezept sein.

Unter der Überschrift: Was ist denn bitte: ein Trilobit? wird der Name erklärt, der Panzer, Segmentierung, Cephalon, Hypostom, Duplikatur, Thorax, Pygidium, Augen; Sinnesfelder und Sinneshaare, Muskulatur, Innere Organe, Caeca, Extremitäten, Dimorphismus, Ontogenese, Häutung, Einrollung und Schutz, Lebensweise und Ernährung, Spuren, sowie Pathologie:

Den auf Marken dargestellten Trilobiten wird in einer farbigen Kopfleiste die Systematik, von der Ordnung bis zu den Familien, vorangestellt. Der Text beginnt mit markenbezogenen Angaben wie Ausgabejahr, Anlaß und Motiv der Ausgabe. Es folgt eine wissenschaftliche Kurzbeschreibung der Gattung oder Art mit ihren typischen Merkmalen, dann Größe, stratigraphische und geographische Verbreitung. Zur abgebildeten Briefmarke/Stempelbeleg wird ein entsprechendes Fossil (Familie, Gattung oder Art) gezeigt.

Der Höhepunkt solch paläontologisch-philatelister Präsentation ist die DDR-Sondermarke von 1973 mit Odontopleura ovata und dem dazugehörigen Holotypus aus dem Naturkundemuseum Berlin. Ein schönes Beispie! von Wissenschaft und künstlerischer Gestaltung. Ergänzt durch einen Sonderstempel der gleichen Art aus Burkunstadt.

Die erste Briefmarke mit dem Abbild eines Trilobiten erschien 1958 in der VR China. Seitdem sind 48 Trilobitenmarken und Blöcke aus 22 Ländern erschienen. Sie stellen Trilobiten aus allen geologischen Zeitaltern (Systemen) vom Kambrium bis zum Perm dar.

Neben den Marken werden Stempel und Ganzsachen mit diesem Motiv einbezogen. Dieses philatelistische Begleitmaterial ist entsprechend der systematischen Einteilung der Trilobiten angeordnet und ergibt so den inhaltlichen Ablauf.

Nun sind Briefmarken Kleingraphiken, also künstlerische Objekte, auf denen der Gestalter häufig nur das besonders typische eines Trilobiten erfaßte. So kann nicht der Anspruch auf die wissenschaftlich exakte Darstellung einer Gattung oder Art erhoben werden. Es sind eben keine Typusabbildungen, bis auf die oben genannte Art, mit denen Trilobiten bestimmt werden können. Sie dürfen also nicht in das biologische System gezwängt werden. Das haben die beiden Autoren auch nicht unternommen. Die Zuordnung erfolgte nur soweit, wie es möglich war, und im letzten Kapitel werden "Stilisierte und nicht bestimmbare Trilobiten" kurz besprochen.

Ein Anhang weist auf illegale Marken- und Blockausgaben hin, die häufig über das Internet vertrieben werden, von Ländern, die es nicht gibt oder die dafür nicht legitimiert sind. Solche Machwerke werden aus kommerziellen Gründen und betrügerischer Absicht verkauft. Nicht selten sind aber gerade solche Ausgaben graphisch hervorragend gestaltet.

Zum Schluß folgt eine besonders für Markensammler wichtige Zusammenstellung aller bisher ausgegebenen "Trilobiten-Marken, -Stempel und Ganzsachen nach Herkunft", geordnet nach Land, Jahrgang, Michel-Nr., Motiv, Bemerkung und Querverweis zu den Abbildungen im Buch. Insgesamt sind 105 Belege erfaßt.

Auch das Literaturverzeichnis ist binominal gegliedert in A: Philatelie, und B: Paläontologie. Über Fossilien auf Briefmarken berichteten auch THENIUS & VÁVRA (!996) und ANNOSCIA (1981), die ich mir im Literaturverzeichnis gewünscht hätte. Daß der Name des Autor und bekannten Motiv-Philatelisten J. C. VAN SOEREN falsch geschrieben ist, fällt nur dem Insider auf.

Eine interessante, neu konzipierte Buchgattung, die sowohl dem Philatelisten als auch dem Paläontologen etwas zu bieten hat. Sachbücher, illustriert mit Briefmarken sind "im Kommen". Nach dem Motto der Post "lernen kann man, gott sei dank, aber auch sein leben lang" (Ausgabe 09. 08. 2001) erfährt und lernt der interessierte Leser, verständlich dargestellt, viel Wissenswertes über Trilobiten und deren Postbelege.

Ich wünsche dem Buch in beiden Zielgruppen eine weite Verbreitung

Fritz J. Krüger

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